Die Vereinsgeschichte des

TSV 1866 Schonungen

Nur wenige waren es, die damals die Ideen vom Turnvater Jahn aufnahmen und einen Turnverein gründeten. Alle voran Josef Hertel, der eine Anzahl junger Männer um sich versammelte, um Sie als Freunde für die Turnsache zu gewinnen.

 

„In Schonungen hat sich ein Turnverein gebildet, der bereits nahe an 20 Mitgliedern zählt“ – diese wenigen Worte waren im Schweinfurter Tagblatt am 6. Januar 1866 klein, unter den lokalen Nachrichten zu lesen. Leider fehlen bis zum Jahre 1874 Unterlagen, um über die Gründung ausführlich zu berichten.

 

Bekannt ist, dass der Verein schon frühzeitig dem Fränkischen Turnerbund beitrat und regelmäßig Gau- und Bezirksturnfeste sowie Tagungen besuchte.

 

Der Stammverein hat von seiner Gründung an ein nie unterbrochenes Leben entwickelt, trotz mancher Krisen und Schwierigkeiten. Geselligkeit wurde neben den sportlichen Aktivitäten groß geschrieben: Waldfeste, Turnerfahrten, Theaterabende, Preiskegeln und Wasserpartien. Hier konnte die Gemeinschaft erlebt und gefestigt werden. Große Sorgen bereitete die Anschaffung von Turngeräten und die Turnplatzfrage. Als Unterstellmöglichkeit für die Turngeräte gab es einen hohlen Baum, der Turnbetrieb wurde in Scheunen durchgeführt.

 

Im Jahr 1891 wurden auf dem gemeindeeigenen Turnplatz die ersten Linden gepflanzt. Im Jahre 1904, das heute noch stehende Gerätehäuschen errichtet. Schon 1884 wurde ein Plan für eine Turnhalle vorgelegt. Ein Jahr später stand dann der „Drei Mohren“-Saal für die Turnstunden zur Verfügung. Es war damals Pflicht, diese zu besuchen. Zur Bereicherung der Veranstaltungen gründete man 1890 erstmalig eine Sängerriege.

 

1897 trat der Verein dem neugegründeten Turngau Haßfurt bei, 1905 erfolgte die Eintragung ins Vereinsregister. Eine Absplitterung durch die Gründung der Freien Turnerschaft schmälerte zwar den Verein geringfügig, konnte ihm aber, da er bereits in hoher Blüte stand, nichts anhaben. Von der Jahrhundertwende an bis zum Abbruch des ersten Weltkrieges waren Turner bei allen Turnfesten des näheren und weiteren Umkreises erschienen und erzielten achtbare erfolge. Die Vereinsriegen sprachen stets ein gewichtiges Wort mit bei der Vergabe von Turnfestsiegen. Hervorzuheben ist, dass die Turner mit einem vorbildlichen Idealismus ihren Sport betrieben. Noch heute zeugen Pokale, Siegerkränze und Urkunden von den vielen Erfolgen.

 

Von dem im Laufe der Jahrzehnte amtierenden Vorsitzenden seien besonders die Turnbrüder Franz Kober und Johann Endres genannt. Franz Kober war Mitbegründer des Vereins, fast immer in der Vorstandschaft vertreten und zuletzt Vorsitzender bis zu seinem Tod im Jahr 1908. Als dessen Nachfolger wurde Johann Endres gewählt, der die Geschicke des Vereins bis 1924 leitete.

1910 wurde der Sportclub „Germania“ gegründet, der sich später in Sportvereinigung 1910 unbenannte. Hauptsportarten waren Gewichtheben, Ringen, Leichtathletik, Schwimmen und Handball. Unter dem Namen Spielvereinigung 1916 traten Fußballer erstmals an.

 

Viele Opfer forderte der erste Weltkrieg unter den Sportlern. Der Sportbetrieb ruhte zuerst völlig, wurde aber bald wieder durch heimgekehrte und besonders durch und mit der Jugend aufgenommen.

 

Eine entscheidende Wende brachte das Regime des Nationalsozialismus im Jahr 1934. Hier wurden die 3 Vereine zwangsmäßig zu einem Verein mit dem Namen „Turn- und Sportverein 1866“ zusammengeschlossen. Man war gezwungen, sich dem Regime anzupassen, konnte aber die vielseitige Betätigung fortsetzen.

 

Durch das Verbot der Arbeitersportbewegung kamen zahlreiche Sportler zu uns. Leichtathletik und Fußball standen an vorderster Stelle, und beim Turnen wehte ein frischer Wind. Das Vereinsleben pulsierte bis zum Jahr 1940.

 

Der zweite Weltkrieg brachte einen neuen, schweren Rückschlag. Hoffnungsvolle, junge Leute wurden eingezogen. Manche kamen nie zurück. Den älteren Mitgliedern blieb nur übrig, das zu erhalten, was bisher geschaffen worden war. 1945 wurde dann der Rest unseres Vereins durch die Militärregierung aufgelöst.

Beherzte Männer, voller Tatkraft und Idealismus, gingen ans Werk und erreichten in zähen Verhandlungen im Jahr 1946 die Wiederzulassung. Turnen, Leichtathletik, Fußball, Handball und Ringen erlebten eine stetige Aufwärtsentwicklung. Auch die 1941 gegründete Korballabteilung trat verstärkt an die Öffentlichkeit. Eine Gesangs- und eine Tischtennisabteilung schlossen sich an. Nebenbei war auch eine Theatergruppe äußerst aktiv.

 

1950 wurde erneut der Bau einer Turnhalle in Erwägung gezogen, zumal das 85-jährige Jubiläum einen glänzenden Verlauf nahm. Höhepunkt nach dem Krieg war das unvergessene Kreisturnfest 1953. Hier waren wir eine Gemeinschaft, wie sie vorher nie bestanden hatte.

 

Mit dem erzielten finanziellen Überschuss wurde der Grundstock zum Bau eines vereinseigenen Heimes gelegt. Im Wetteifer wurden Hohlblock- und Vollsteine hergestellt, der Grund ausgegraben und das Fundament erstellt. Die Gesamtkosten des Projekts wurden auf 70.000 DM veranschlagt. Über 3000 freiwillige Arbeitsstunden leisteten die Mitglieder und trugen durch eine Spendenaktion noch zur Finanzierung bei. Im Mai 1956 wurden die Grundmauern erstellt und im August des gleichen Jahres war der erste Umtrunk im neuen Heim. Leider stellte in dieser Zeit die Gesangsabteilung ihre Tätigkeit ein. Dafür wurde erstmals unsere Karnevalsabteilung aktiv. Schade, dass sich 12 Jahre später niemand mehr fand, hier das Zepter zu schwingen.

 

Das 100-jährige Jubiläum wurde 1966 mit zahlreichen Veranstaltungen gefeiert, bei dem alle Abteilungen groß an die Öffentlichkeit traten. Höhepunkt war das Gauturnfest mit der Enthüllung eines Gedenksteines am Vereinsheim.

 

Ein wichtige Beschluss wurde 1969 in die Tat umgesetzt: Der Umbau unseres Vereinsheimes in eine moderne Gaststätte. Wieder war der Einsatz der Mitglieder erforderlich, auf die wie immer Verlass war.

 

Die Olympischen Spiele 1972 berührten auch unseren Verein. Eine gruppe unserer Sportler war am Staffellauf der Olympiafackel beteiligt, die durch unseren Ort getragen wurde.

 

1976 richteten wir im Rahmen des 110-jährigen Jubiläums das Kinderturnfest aus. Im Laufe dieses Jahres wurde die Seniorengemeinschaft gegründet mit dem Ziel, für ältere Mitglieder unseres Vereins gesellige Veranstaltungen und Fahrten im In- und Ausland zu organisieren.

 

Im gleichen Jahr wurden wir Besitzer eines 11.000 qm großen Geländes an den Mainwiesen. Jahre der Ungewissheit waren vorüber und große, wohl die größten Aufgaben, standen dem Verein bevor. Der Ausbau der Sport-, Freizeit- und Erholungsanlage nahm feste Formen an. Das Weinfest war fester Bestandteil unserer Veranstaltungen geworden.

 

Die Übergabe des Fußballfelds im Jahre 1981, an Pfingsten, war ein weiterer Meilenstein in unserer Vereinsgeschichte. Bereits ein Jahr später stand die Gesamtanlage mit dem Umkleidehaus, Tennisplätzen, einem Hartplatz und Sprunganlagen den Sportlern zur Verfügung. Es war die Krönung einer überlegten Ausbauphase und besonnener Planung. Nicht hoch genug kann hier der Einsatz der Mitglieder hervorgehoben werden. Allen voran die Hauptverantwortlichen, die Vorsitzenden Georg Wetz und Paul Arleth.

 

Die Überdachung der Mehrzweckhalle und der Ausbau eines Parkplatzes schloss sich im Jahr 1983 an. 1984 folgte die Inbetriebnahme des 3. Tennisplatzes. Zuschüsse und Spenden erleichterten die Finanzierung, die schwer auf dem Verein lastete. Dem gegenüber stand jedoch ein Vereinsvermögen von 1,5 Millionen DM, wie eine Fachkommission errechnete. Es ist ein Jahrhundertwerk, das für die Jugend geschaffen wurde und dieser sollte es eine Verpflichtung sein, dieses Werk zu pflegen und zu erhalten.

 

1986 wurde das 120-jährige Jubiläum in würdigem Rahmen gefeiert. Höhepunkte der Festjahre waren der Festabend und das Gauturnfest mit Festzug durch die Gemeinde. Im selben Jahr wurde von der Gemeinde Schonungen die Ferienspaßaktion ins Leben gerufen. Unser Verein beteiligt seitdem mit der Gaudi Olympiade und seit neustem auch mit einem Beachfußballtunier.

Einige Zeit später gründeten wir eine Leichtathletikabteilung, die mit guten Erfolgen auf warten konnte. Kreismeisterschaften und die Bayrische Meisterschaft im Hochsprung durch Falk Holderbaum waren die positive Bilanz dieser neuen Abteilung. Leider konnte sich diese Abteilung mittelfristig nicht halten.

Der ehemalige Bahnhof wurde von der Gemeinde Schonungen erworben und zu einem Trainingsraum mit Sauna und Kraftraum die Ringerabteilung ausgebaut. Wieder war ein Leistungszentrum entstanden.

 

Neben dem Hartplatz auf dem Sportgelände entstand ein weiteres Korballfeld, um die Austragung von Korbballturnieren zu erleichtern.

1991 wurde in großem Rahmen das 125-jährige Jubiläum gefeiert. Neben dem Hauptverein feierten die Turnabteilung (125 Jahre), die Fußballabteilung (75 Jahre), die Korbballabteilung (50 Jahre) und die Seniorengemeinschaft (15 Jahre) mit zahlreichen Veranstaltungen ihre Jubiläen.

 

1994 wurde mit dem Ausbau der Maintalhalle begonnen. Neben dem zusätzlichen Raum für diverse Geräte wurden auch ein Kühlraum und eine kleine Küche geplant.

 

Im gleichen Jahr feierte die Gemeinde Schonungen ihr 800-jähriges Bestehen. Alle Abteilungen waren aktiv mit 6 Ständen beim Festwochenende, das wegen der extremen Hitze leider nicht den erhofften Besucheransturm verzeichnen konnte.

Der 19.02.1995 war ein wichtiger Tag in der Vereinsgeschichte:

In der Jahreshauptversammlung wurde eine Satzungsänderung beschlossen. Sie betraf die Zusammensetzung der Vorstandschaft. Die Neuwahlen der letzten Jahren hatten es gezeigt: Es wurde immer schwieriger, ein Vereinsmitglied zu finden, das als 1. Vorsitzender die zahllosen Aufgaben und die Verantwortung für die Geschicke des Vereins übernehmen wollte. Diesen „Mann für alle Fälle“ wollte eigentlich keiner mehr sein – und das war verständlich.

 

Die Vorstandschaft suchte und fand eine Lösung: die Teamarbeit. Die Aufgaben wurden geteilt und in Ressorts gegliedert. Ab sofort gab es statt eines 1., 2. und 3. Vorsitzenden Ressortleiter und Stellvertreter für die Bereiche Sportgelände, Sportbetrieb, Finanzen, Vereinsheim sowie Schriftführer und Hauptjugendleiter. Durch diese klare Abgrenzung der Aufgaben und der Verantwortung gelang es in der Neuwahl am gleichen Tag auf Anhieb alle Posten zu besetzen. Das Registergericht stimmte unserer Satzungsänderung und damit der neuen Idee zu.

 

Unsere jungen Sportlerinnen und Sportler bedankten sich auf ihre Art für die vielen ideellen und finanziellen Anstrengungen der Vereinsmitglieder und der Vorstandschaft:

Handballer, Fußballer, Ringer, Korballerinnen, Turnerinnen und Turner und die Tennisabteilung erkämpften und erspielten unzählige Meisterschaften und Siege. Die Krönung der sportlichen Leistungen erbrachten aber zweifellos die Jugendringer. Neben unzähligen Bezirkstiteln und Siegen bei nationalen und internationalen Turnieren standen sie auch bei Bayerischen Meisterschaften immer wieder auf dem Treppchen.

 

Mit über 450 Mitgliedern ist unser Verein einer der stärksten im Großgemeinde Schonungen. Mit über 150 Jahren ist er auch einer der ältesten im Landkreis. Die Erhaltung und Festigung dieser Gemeinschaft ist uns auch weiterhin Auftrag und Verpflichtung.

Bericht von Ute Fleischmann